Die Heldenreise im Storytelling

|   Markenkommunikation

Wer ist der Held Ihrer Geschichte? Sind Sie das oder Ihr Unternehmen? Oder steht Ihr Kunde im Mittelpunkt und Sie sind der Mentor, der ihn leitet?

Die Heldenreise im Storytelling ist eine weiterentwickelte These des amerikanischen Mythenforscher Joseph Campbell (1904 – 1987). Er hat herausgefunden, dass alle Völker über Geschichten kommunizieren und diese sich dabei immer ähneln, egal in welcher Kultur. Diese Heldenreise findet sich in der Literatur und im Film an jeder Stelle und kann auch für die Unternehmensgeschichte oder im Bezug auf den Kunden angewandt werden.

Wichtig ist: Jede Geschichte braucht einen Helden, ungeachtet der Tatsache ob er positiv oder negativ zu verstehen ist. Christopher Vogler hat die Theorie der Heldenreise Campbells von 17 auf 12 Schritte zusammengefasst und mit den Archetypen in Verbindung gebracht, die dem Helden auf der Reise begegnen und leiten.

Der Aufbau

1. Die gewohnte Welt

Jeder Mensch befindet sich auf einer Heldenreise, ob er sich dessen bewusst ist oder nicht. Meinstens steckt er dann in der ersten Phase fest, deren Startpunkt immer das Bekannte ist, wo er sich sicher fühlt. Hier hat er seine Routine, hier ist er zuhause.

Aber jeder lebt trotzdem in einer Welt des Mangels, weil uns etwas fehlt. Es gibt hier kein Abenteuer, keine Höhen und Tiefen, alles läuft immer gleich ab.

Um mit der Geschichte zu beginnen, muss etwas passieren, ein Einschnitt in diese Routine erfolgen. Entweder man wird sich bewusst, dass etwas Entscheidendes fehlt oder etwas geht zu Bruch und fordert Veränderung. Es kommt der Wunsch auf, sein volles Potential zu nutzen.

 

2. Ruf nach Abenteuer

Veränderung kann nur erfolgen, wenn jemand diese Komfortzone verlässt. Der Ruf nach Veränderung kann in verschiedenen Versionen erfolgen, in jedem Fall aber leitet er eine Änderung des Gewohnten ein. Man wird sich bewusst, was alles sein könnte und was man für Möglichkeiten haben könnte.

 

3.Verweigerung des Rufs

Es liegt in der menschlichen Natur, sich 100 Gründe einfallen zu lassen, warum man etwas nicht tun sollte, was mit Veränderungen einher geht. Es ist nicht leicht dem Ruf nach Abenteuer zu folgen, weil man nicht einschätzen kann, wie weitreichend die Änderungen im Leben sein werden, mit welchen Aussichten auf Erfolg. Die Gewohnheit wird einen zuerst zurückhalten. Dazu kommen die Stimmen des Umfeldes, die ebenfalls gegen diese Veränderungspläne reden werden. Sei es aus Sorge (Eltern) oder Neid (Freunde), die nicht wollen, dass man das gewohnte Gefüge verändert.

 

4. Begegnung mit dem Mentor

Auf dem Weg wird man früher oder später aber jemandem begegnen, der uns ermutigt, sich den Veränderungen und damit der Reise zu stellen. Er hat die Erfahrung aus der gewohnten Welt, aber auch der Unbekannten und unterstützt einen mit Ratschlägen und leitet. Er fördert das Wachstum der persönlichen Entwicklung und fordert dafür keinen Gegenlohn. Man fühlt sich bestätigt.

Es werden auch falsche Mentoren auftreten, die man daran erkennt, dass sie eine Gegenleistung einfordern oder versuchen einen klein zu halten. Diese muss man meiden.

 

5. Der erste Schritt

Wenn man den ersten Schritt wagt und die gewohnte Welt verlässt, beginnt die Reise ins Unbekannte zu seinen neuen Zielen. Man muss seine Angstszenarien hinter sich lassen. Wenn man den ersten Schritt getan hat, kann man diesen nicht mehr umkehren.

 

6. Bewährungsproben

Hier wird man verschiedenen Hürden begegnen und feststellen, wer auf deiner Seite steht und wer sich gegen einen wendet. Das kann durchaus auch ein vermeintlicher Freund sein, der nicht damit zufrieden ist, dass der Status Quo verändert wird und man eventuell sogar an diesem vorbeizieht und ihn hinter sich lässt. Man ist in einer neuen Orientierungsphase und verändert sich und nicht alle kommen damit zurecht.

 

7. Vordringen in die tiefste Höhle

Dies ist der tiefste Punkt der Heldenreise. Hier trifft man auf seinen Antagonisten, der das genaue Gegenteil von einem selbst ist und genau den Platz in der neuen Welt einnehmen möchte, nach dem man strebt. Man steht vor dem, was man am meisten fürchtet (diese Furcht wird einem hier am deutlichsten bewusst). Aber man kann die Situation als Ganzes sehen und begreifen und erkennt diese Furcht, die man überwinden muss: den inneren Feind, der bei allen unterschiedlich ist (Angst, Unfähigkeit, Gutgläubigkeit). In der tiefsten Höhle findet man aber den Schatz, die Informationen, die dann zum Sieg verhelfen werden.

 

8. Entscheidungskampf

Keine Geschichte kommt ohne einen Kampf aus, auch wenn es nur ein innerer Kampf mit sich selbst ist. Man muss sich hier entscheiden, das ist der Wendepunkt, der die Geschichte ausmacht. Gibt man auf oder kämpft man?

Wenn man kämpft, muss man das bestehende Gefüge ändern, ohne die Möglichkeit zu haben, etwas rückgängig zu machen. Dieser Augenblick bereitet die meiste Angst, weil es die größten Veränderungen mit sich bringt.

 

9. Belohnung

Hat man die Schlacht erst einmal geschlagen und gewonnen, erwartet einen die Belohnung. Das ist in den Filmen meistens das Happy End - die Hochzeit, die Fahrt in den Sonnenuntergang. Hier ist die Reise aber noch nicht vorbei, jetzt kommt die Phase, wofür man gekämpft hat und das Leben damit.

 

10. Rückweg

Man kehrt mit dem neugewonnenen Selbstverständnis zurück in die gewohnte Welt. Dies ist meistens durch einen Rückschlag begleitet, der das Schicksal unseres Helden umzudrehen droht. Dies bedeutet aber, dass man entbehrliches in seinem Leben opfern muss, das zu sehr an den alten Gewohnheiten festhält. Es ist eine Art Selbstreinigung.

 

11. Endgültige Hinwendung zur Veränderung

Durch die Änderung seines Selbstbildes muss das Alte hinter sich gelassen werden und entsorgt werden. Man kennt nun seinen Wert und verhält sich auch dementsprechend. Man wendet das auf der Reise gelernte an und siegt über seine Ängste.

 

12. Rückkehr mit dem Elixier

Das Gelernte wird in das tägliche Leben integriert und man erkennt den neuen Sinn. Alle Aufgaben sind gelöst und der Kreis der Heldenreise hat sich geschlossen. Man hat das Ende der Geschichte erreicht.

 

Jetzt loslegen

Der hier beschriebene Weg ist die ausführliche Heldenreise. Aber da jeder Mensch und jede Geschichte anders ist, können im Einzelnen auch Variationen auftreten, bzw. nicht jede Ebene wird so ausführlich durchlaufen, manche können auch schneller abgehandelt werden. Die Grundstruktur (Gewohnheit – Aufbruch – Veränderung – Hindernisse – Kampf – Erfolg – Rückkehr – Elixier) werden aber bei jeder Geschichte eine Rolle spielen.

 

In welcher Rolle stehen Sie und Ihr Unternehmen? Sind Sie selbst der Held, der sein Unternehmen nach vorne gebracht hat, oder ist Ihr Kunde der Held, dem Sie als Mentor beistehen und ihm den Weg zur erfolgreichen Veränderung weisen? Erzählen Sie es uns.

Hier finden Sie die 12 Schritte noch einmal kurz zusammengefasst als Download, um sie während dem Verfassen der Geschichte auf einen Blick zu haben.